Don Quijote und Rosinante
Der „Ritter von der traurigen Gestalt“ und seine edle Mähre könnten jederzeit gegen Windmühlen reiten, denn sie sind voll beweglich. Ritter und Ross wurden von der Holz- und Pappspielwarenfabrik Julius Walter Dorst um 1908 hergestellt. Die Firma war die erste in Sonneberg, die künstlerisches Holzspielzeug nach „Dresdner Art“ fertigte. Sie stattete auch den Schießstand der Ausstellungsgruppe „Thüringer Kirmes“ aus, die auf der Weltausstellung in Brüssel 1910 gezeigt wurde und heute in unserem Museum steht. Der Entwerfer der Thüringer Kirmes, der Direktor der Sonneberger Industrieschule Reinhard Möller (1855-1912), war auch für die Firma Dorst als Künstler tätig.
Die Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst hatten ab 1902 mit der Herstellung von Holzspielzeug nach Künstlerentwürfen begonnen. Man reagierte auf Forderungen der Kunsterziehungsbewegung. Mit Hilfe von künstlerischem Spielzeug sollten kindliche Phantasie und Kreativität gefördert werden. Die Kunsterziehungsbewegung war Teil der Reformbestrebungen um 1900. In der Gesellschaft herrschte ein diffuses Krisengefühl: Diskussionsgegenstände waren u.a. der Verfall von Werten, das Diktat der Wirtschaftlichkeit oder die Stagnation in der Kunst. Die Kunsterziehungsbewegung setzte ihre Hoffnungen auf die ästhetische Bildung der kommenden Generation, um die Kultur- und Kunstkrise zu überwinden.
Inv.Nr. 9893
Don Quijote und Rosinante
Figuren nach dem Roman von Cervantes (gest. 1616) Holz, farbig gefasst
um 1908
Sonnerberg
Holz- und Pappspielwarenfabrik Julius Walter Dorst