Laufpuppe
Automaten - Selbstbeweger- waren lange Zeit Kabinettstücke fürstlicher Kunst- und Wunderkammern. Im 18. Jh. führte man Automaten einem zahlenden Publikum vor. Besondere Begeisterung riefen dabei menschengestaltige Apparate, die sogenannten Androiden, hervor. Mit Beginn des Industriezeitalters verschwand das Interesse an den verspielten Kunstwerken. Eine Renaissance erlebten die automatischen Figuren in der Mitte des 19. Jh., zunächst im Umfeld der Pariser Luxusartikel- und Spielwarenproduktion. 1855 erhielt z. B. Jules Nicolas Steiner in Paris das Patent für seine Laufpuppe, die auf Rädern lief. Der Mechanismus verbarg sich in einem Unterteil aus geformten Karton, der als Rock diente.
Die Laufpuppe, die den schwankenden Gang des Laufenlernens besonders überzeugend imitierte, war die sog. "Autoperipatetikos" (= griech. Selbstläuferin) von Enoch Rice Morrison in New York. Sie wurde 1862 sowohl in Amerika als auch in Europa patentiert.
Die nicht gemarkte Laufpuppe in
der Sammlung des Deutschen Spielzeugmuseums kopiert Gestalt und Mechanismus der "Autoperipatetikos". Der Federmotor mit Schlüsselaufzug befindet sich in einem stumpfen Kegel aus Pappe, dem Unterkörper der Puppe. Im Inneren jedes Beines bewegt sich ein pendelartiges Metallstück auf und ab und beschreibt dabei eine Ellipse. Während sich das eine Bein vom Boden hebt, schiebt sich das andere vorwärts. Laufpuppen waren teuer. Sie gehörten daher zu dem Spielzeug, das Kinder nur unter der Aufsicht von Erwachsenen in Gang setzen durften. Die erhaltenen Puppen sind deshalb meist wenig bespielt.
Inv.Nr. 5/210
Laufpuppe
wachsierter Papiermachékopf mit Glasaugen
funktionsfähiger Mechanismus mit Federaufzug
Deutschland (?), letztes Drittel 19. Jh.
H: 26 cm